Enzymes, NGS, Male Caucasian scientist working with scientific equipment in a laboratory setting
Enzyme für die Molekularbiologie

Markierung von Nukleinsäuren

DNA kann auf zwei Arten mit Enzymen markiert werden: an den Enden oder intern entlang des Moleküls. Nachweisbare Marker wie Fluorophore oder modifizierte Nukleotide können durch das Anhängen von 5’- und 3’-Gruppen mithilfe von Enzymen oder durch das Einbringen interner Marker durch direkten Einbau oder Postmarkierungstechniken mit einem geeigneten Enzym eingebracht werden.
In-vitro-Transkription
In-vitro-Transkription
  • Ein modifiziertes Nukleotid wird in verschiedenen Kombinationen mit natürlich vorkommenden Nukleotiden gemischt 
  • Einige Enzyme wie die Taq-DNA-Polymerase können markierte Nukleotide direkt mittels PCR einbauen
  • Die zufällige Primer-Markierung nutzt die 5’→3’-Polymerisation mittels Klenow-Fragment zum Einbau von Markierungen
  • RNA-Polymerasen können markierte Nukleotide direkt während der In-vitro-Transkription einbauen
Nick Translation
Nick Translation
  • Behandlung des Templates mit DNase I erzeugt Einzelstrangbrüche (Nicks) in einem Strang
  • Durch das Erzeugen von Nicks werden 3'-Hydroxylgruppen in der unmarkierten DNA frei
  • Die DNA-Polymerase I fügt einen Nukleotidrest an das 3'-Hydroxylende des Nicks an
  • Nick Translation kann bis zu 50 % der DNA-Reste mit modifizierten dNTP-Substraten markieren
Endmarkierung durch Synthese oder Transfer
Endmarkierung durch Synthese oder Transfer
  • Einige Enzyme wie die T7-DNA-Polymerase können markierte Nukleotide an die 5’-Enden von DNA anfügen
  • Die terminale Desoxynukleotidyltransferase (TdT) fügt markierte dNTPs an das 3'-Hydroxylende von DNA an 
  • Die Poly(A)-Polymerase kann markierte Nukleotide an das 3’-Ende von RNA anfügen
  • Die Enzymaktivität der Polynukleotidkinase (PNK) kann das Anfügen von markierten Phosphaten an das 5’-Ende von Nukleinsäuren bewirken

Die Markierung durch die Aktivität eines Enzyms ist für viele Studien erforderlich, die das Ziel haben, die Funktionen und Dynamik von Nukleinsäuren in vitro und in Zellen zu erforschen. Für jede Stelle, an der markierte Nukleotide in DNA oder RNA integriert werden können, gibt es ein geeignetes Enzym, das diese Aktion katalysiert.

Enzym Aktivität Markierungsaktion
    Endmarkierung Direkter
Einbau
Durch zufälliges
Priming
Lückenmarkierung Nick 
Translation
P7060L
Klenow Fragment
Demnächst verfügbar

DNA-Polymerase mit 5’→3’-
Synthese- und 3’→ 5’-
Exonuklease-Aktivität

✘ Nein ✔ Ja ✔ Ja ✘ Nein ✘ Nein
P7010
Klenow (3’→5’-Exo-)

DNA-Polymerase mit 5’→3’-
Syntheseaktivität
 ✔ Ja (3’ dsDNA) ✔ Ja ✔ Ja ✘ Nein ✘ Nein
P7260L
T7-DNA-Polymerase
Demnächst verfügbar
DNA-Polymerase mit 5’→3’-
Synthese- und 3’→5’-ssDNA-
und -dsDNA-Exonuklease-Aktivität.
[Die Doppelstrang-DNA-
Exonuklease-Aktivität erfordert
die Anwesenheit von Thioredoxin.]
 ✔ Ja (5’ dsDNA) ✔ Ja ✘ Nein ✔ Ja ✘ Nein
P7050L
DNA Polymerase I
DNA-Polymerase mit 5’→3’-
Synthese-, 5’→3’- und 3’→5’-
Exonuklease-Aktivität
✘ Nein ✘ Nein ✘ Nein ✘ Nein ✔ Ja
RP810
TaqNova Stoffel DNA-
Polymerase
BLIRT
Stoffel-Fragment-Derivate der Taq-
DNA-Polymerase, denen die 5’→3’-
Exonuklease-Aktivität fehlt
✘ Nein ✔ Ja ✘ Nein ✘ Nein ✘ Nein
P7620L
TaqIT DNA
Polymerase
Demnächst verfügbar
TaqIT ist ein Derivat der Taq-
DNA-Polymerase, dem die 5’→3’-Exonuklease-Aktivität
fehlt (Stoffel)
✘ Nein ✔ Ja ✘ Nein ✘ Nein ✘ Nein
P7070L
Terminal
deoxynucleotidyl
transferase (TdT)
Demnächst verfügbar
Katalysiert die Anfügung von dNTPs
an das 3'-Hydroxylende von
DNA-Molekülen; verlängert stumpfe Enden,
5’-Überhänge, ssDNA und RNA
 ✔ Ja (3’ ssDNA) ✘ Nein ✘ Nein ✘ Nein ✘ Nein
P7180L
T7 RNA Polymerase
Demnächst verfügbar
Synthetisiert RNA in 5’→3’
-Richtung des DNA-Templates
✘ Nein  ✔ Ja (RNA) ✘ Nein ✘ Nein ✘ Nein
P7460L
Poly(A) Polymerase
Demnächst verfügbar
Katalysiert die Anfügung von AMP
aus ATP an das 3’-Hydroxylende
der RNA für Poly(A)-Schwanz-RNA
 ✔ Ja (3’ RNA) ✘ Nein ✘ Nein ✘ Nein ✘ Nein
L6050L
T4 RNA Ligase 1
Demnächst verfügbar
Ligiert RNA- und ssDNA-
Moleküle
3’ (RNA und ssDNA) ✘ Nein ✘ Nein ✘ Nein ✘ Nein
Y9040L
T4 Polynukleotid-
Kinase (PNK)

Katalysiert den Transfer des
γ-Phosphats von ATP an
das 5´-Ende von
Polynukleotiden oder
Mononukleotiden mit einer
5´-Hydroxylgruppe
5’ (ssDNA, dsDNA
und RNA)
✘ Nein ✘ Nein ✘ Nein ✘ Nein
Poly(A) Polymerase
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T4 Polynucleotide Kinase
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T7 RNA Polymerase
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T4 RNA Ligase 1
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T4 RNA Ligase 1
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Was ist die Aufgabe der DNA-Polymerase?

Die DNA-Polymerase I, codiert durch das polA-Gen, war die erste DNA-Polymerase, die entdeckt wurde, und ist die häufigste Polymerase in E. coli (ca. 400 Moleküle je Zelle). Sie ist ein Beispiel für ein prozessives Enzym, da sie nacheinander mehrere Polymerisationsschritte katalysieren kann, ohne das einzelsträngige Template freizugeben. Das Polypeptid weist zwei funktionelle Domänen auf: eine große Domäne (Klenow-Fragment), welche die 5'→3'-Polymerase und die 3'→5'-Proofreading-Exonuklease enthält, und ein kleines Fragment, das eine 5'→3'-Exonuklease-Aktivität enthält. Durch letztere Aktivität ist die DNA-Polymerase I in der Lage, RNA-Primer zu entfernen, die zur Initiierung des downstream befindlichen Okazaki-Fragments verwendet werden. Die Hauptfunktion der Polymerase in vivo ist die Beteiligung an Rekombination und DNA-Reparatur. Bei der DNA-Reparatur füllt die DNA-Polymerase I Lücken in der DNA auf, die durch die Entfernung von DNA-Läsionen entstanden sind. 

Zu den Applikationen in der Forschung zählen die DNase-I-abhängige Nick Translation, die Synthese des zweiten Stranges bei der cDNA-Klonierung und das Auffüllen von 5´-Überhängen. DNA-Polymerase I baut biotinylierte Nukleotide ein.

Was ist das Klenow-Fragment und wofür wird es verwendet?

Die 5'→3'-Exonuklease-Aktivität der DNA-Polymerase I von E. coli macht sie für viele Anwendungen ungeeignet. Dem Klenow-Fragment, der großen Domäne, welche die 5'→3'-Polymerase und 3'→5'-Proofreading-Exonuklease enthält, fehlt diese Aktivität. Dadurch eignet es sich für viele nützliche Forschungsapplikationen wie die Synthese doppelsträngiger DNA aus einzelsträngigen Templates, das Auffüllen zurückgezogener 3'-Enden von DNA-Fragmenten, um 5'-Überhänge stumpf zu machen, den Verdau vorstehender 3'-Überhänge und die Vorbereitung markierter DNA-Sonden. 

So wie die 5'→3'-Exonuklease-Aktivität der DNA-Polymerase I von E. coli unerwünscht sein kann, ist bei bestimmten Applikationen auch die 3'→5'-Exonuklease-Aktivität des Klenow-Fragments unerwünscht. Dieses Problem lässt sich lösen, indem Mutationen eingebracht werden, um ein Klenow-Fragment(3'→5'-Exo)-Enzym zu erhalten, das die 5'→3'-Polymerase-Aktivität aufweist, dem aber die Exonuklease-Aktivität fehlt. Das Klenow-Fragment (3'→5'-Exo-) wird bei einigen Fluoreszenzmarkierungsreaktionen für Mikroarrays und beim Anhängen von dA- und dT-Schwänzen verwendet, einem wichtigen Schritt im Prozess der Ligation von DNA-Adaptern an DNA-Fragmente, welcher häufig bei der Vorbereitung von DNA-Bibliotheken für das Next Generation Sequencing angewandt wird.

Welche Funktion hat die T7-DNA-Polymerase in der Molekularbiologie?
Die T7-DNA-Polymerase selbst hat eine geringe Prozessivität. Sie löst sich von einem Primer-Template nach dem Einbau von < 15 nt. Bei der Infektion von E. coli dockt der T7-Phage an ein Wirtsprotein, Thioredoxin, an, das ihm als Prozessivitätsfaktor dient. T7-DNA-Polymerase und Thioredoxin verbinden sich im Verhältnis von 1:1, und die Bindung von Thioredoxin an die T7-DNA-Polymerase erhöht die spezifische Affinität der Polymerase für ein Primer–Template um den Faktor 80. Durch die erhöhte Affinität zum Primer–Template kann die T7-DNA-Polymerase einen Primer auf einzelsträngiger DNA um Tausende von Nukleotiden verlängern, ohne zu dissoziieren, was die kontinuierliche Synthese langer DNA-Abschnitte ermöglicht. Die T7-DNA-Polymerase kann zur Aufreinigung von kovalent geschlossener zirkulärer DNA durch Entfernung von Resten genomischer DNA und zur Synthese komplementärer cDNA-Stränge verwendet werden. 
Was macht die Poly(A)-Polymerase?

Die Poly(A)-Polymerase oder Polynukleotidadenyltransferase katalysiert den Einbau von Adeninresten an die 3’-Enden von RNA unter Verwendung einzelsträngiger RNA als Primer, wobei effektiv ein Poly(A)-Schwanz an der RNA angefügt wird. Die Poly(A)-Polymerase ist eine Template-unabhängige Polymerase, die zur großen Superfamilie der Nukleotidyltransferasen der Familie X gehört, zu der auch die terminale Desoxynukleotidyltransferase (TdT) zählt.

Die Polyadenylierung ist ein wesentlicher Schritt bei der mRNA-Reifung; der Poly(A)-Schwanz am 3’-Ende der mRNA erleichtert den mRNA-Transport aus dem Zellkern, verbessert die Translationseffizienz und erhöht die Lebensdauer der mRNA im Zytoplasma. Bei Eukaryoten ist der für die Polyadenylierung zuständige Apparat physikalisch an den für die mRNA-Spaltung gekoppelt. Die Generierung des polyadenylierten 3’-Endes einer mRNA erfordert eine endonukleolytische Spaltung, bevor die Prä-mRNA durch die Poly(A)-Polymerase polyadenyliert werden kann. 

In der Molekularbiologie steigert ein durch Poly(A)-Polymerase angefügter Poly(A)-Schwanz die Translation von in eukaryotische Zellen eingebrachter RNA. Andere Applikationen umfassen die Polyadenylierung von RNA für die Klonierung oder Affinitätsaufreinigung und die 3’-Markierung von RNA mit ATP oder dem Nukleosidanalogon Cordycepin (3’-Desoxyadenosin).

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